Mit Träumen beginnt die Realität

von Daniel Goeudevert

In seiner zum Bestseller gewordenen Autobiographie >>Wie ein Vogel im Aquarium<< hatte Daniel Goeudevert selbstkritisch über den Autismus in der Welt der Vorstandsetagen berichtet. Heute, aus größerer Distanz zu seinem Manageralltag, fällt sein Unteil noch radikaler aus.

An der Spitze der Unternehmen sitzen immer mehr Kostenkiller, die ihre Managementaufgabe eher darin sehen, Kosten zu senken, als neue Marktanteile zu erobern. Man muß nur genügend Leute entlassen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. >>Wenn ein Unternehmen nicht in erster Linie für die Menschen da ist - seien es Beschäftigte oder Kunden -, wozu ist es dann da? Doch nicht nur für Bilanzen, nicht nur für Aufsichtsratsitzungen, nicht nur für die Produktion. Aber genau dieses Mißverständnis ist in den letzten Jahren gesellschaftsfähig geworden : In unserer Share-holder-value-Gesellschaft kommt immer erst die Rendite, dann die Moral.<<

Goeudevert kritisiert das Tempo des Turbo-Kapitalismus, die >>Vollbeschäftigungslüge<<  und die Kalmierungsstrategie der Politik, die nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner statt nach dem großen reformerischen Projekt sucht. Er fordert gesellschaftliche Verantwortung auf seiten der Unternehmer und  entwickelt die Umrisse eines humanen, verantwortlichen Kapitalismus im zusammenwachsenden Europa. Er plädiert für eine Kultur geistiger, sozialer und räumlicher Beweglichkeit, um Kreativität und Phantasie und damit Visionen entstehen zu lassen, die wir so dringend brauchen. Denn ohne Visionäre lebten wir heute in einer ganz anderen Wirklichkeit : Es gäbe keine Flugzeuge und kein Penicillin, keine Bücher und keine Computer, keinen Rechtsstaat und kein Frauenwahlrecht, wenn Menschen nicht immer wieder gedacht und getan hätten, was keiner vor ihnen gedacht und getan hat. Mit Träumen beginnt die Realität.

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